Waldameisen und ihre «Wunderhügel» schützen
Janine Jakob
Der Frühling kommt, viele möchten «in Form» kommen, die Muskeln trainieren? Wären wir Ameisen, könnten wir unbesorgt sein. Denn Ameisen haben überlebenswichtige Superkräfte: Sie können 40bis 60-mal ihr Eigengewicht tragen. Weltweit sind 12 600 Arten bekannt, davon 141 in der Schweiz nachgewiesen und acht davon sind hügelbauende Waldameisen. Ameisen und damit ihre Nester sind im Bundesgesetz durch die Verordnung 451 über den Natur- und Heimatschutz von 1966 geschützt.
Es ist das Insekt, das in der Schweiz am längsten unter Schutz steht. Dies verdeutlichte am vergangenen Freitag René Felder, Präsident vom Luzerner Waldameisen-Schutz. Er wurde vom Verein Pro Buechberg Wangen, einer Sektion von BirdLife Schwyz, eingeladen, zum Thema «Hügelbauende Waldameise» einen Vortrag zu halten.
Geschickte Bauingenieure
Ein grosses Waldameisenvolk von einer Million Ameisen baut ein Nest aus unzähligen Nadeln und Asttücken mit einem Hügel von bis zu zwei Metern Höhe und entsprechendem Unterbau. Der Hügel wird dauernd umgeschichtet. Geschickt: Die Kuppel, die obersten drei Zentimeter des Hügels, bauen die Ameisen aus einem wasserdichten Gemisch aus Baumharz, Lehm und Steinchen «und darf nicht beschädigt werden», so Felder. Im Innern befindet sich ein Baumstrunk für die Stabilität, der auch als Behausung dient.
«Wenn der Förster einen Baum fällt und dieser Ameisen dienen soll, muss der Baumstrunk einen halben bis ganzen Meter hoch bleiben und daneben ein Nadelbaum als Futterbaum sein», so Felder. Die Wälder sollten nicht zu dicht und Äste nicht im Bereich von Ameisen und an Waldrändern liegen, sowie heikle Stellen signalisiert werden. Deshalb schenkte er Pro Buechberg eine Info-Tafel, die bald zur Anwendung kommt. Zudem: «Wenn wir einen Hügel betrachten, ist ein Abstand von etwa eineinhalb Meter einzuhalten, um die unterirdischen Ameisen nicht zu gefährden.» An einem Tag vertilgt ein Ameisenvolk neben dem wichtigen Honigtau bis zu hunderttausend Insekten – darunter Borkenkäfer und Zecken. «Wo Ameisen sind, ist der Zeckenbestand um 50 Prozent geringer», so Felder weiter. Gemäss Eva-Maria Vogt, Präsidentin von Pro Buechberg Wangen, ein Grund mehr, beim Buechberg die Waldameisen zu schützen und ihre Ausbreitung zu fördern.
Waldameisen sind auch Bodenpfleger: Sie verteilen Samen von mehr als 150 Pflanzen. Allerdings stehen sie auch auf dem Speiseplan der Vögel. Rauhühner brauchen Waldameisen zur Aufzucht und Gross-Spechte ernähren sich zu 50 Prozent von ihnen – heisst 3000 Ameisen täglich. Ein Volk mit tausend Königinnen, die täglich je 30 Eier legen, hält dies gut aus. Ameisen bescheren anderen Tieren auch Wellness: Die Ameisensäure wird, wie Felder beobachtete, von Vögeln beim Baden sowie von Dachsen und sogar Hirschen geschätzt, die sich auf dem Hügel wälzen. Dies, weil die Säure Parasiten entfernt und fernhält.
Waldameisenstand eruieren
«Der Schutz der Waldameisen ist für unser Ökosystem, das Wohl der Wälder, Vögel, Bäume und von uns selbst sehr wichtig», so Vogt. Wenn der Buechberg keine Ameisen mehr hätte, wäre das schlecht, denn wenn sie einmal weg sind, kann man sie, wie Felder erklärte, nicht einfach wieder ansiedeln.
Das Gute – auch im Kanton Schwyz geht es voran: Der Verein Pro Buechberg wurde über einen Ameisenhügel an «heikler» Lage informiert. Er befindet sich im Wald der Genossame Holeneich im Gebiet Rotegg direkt am idyllischen Rundweg östlich vom Parkplatz Legi. Pro Buechberg hat das Okay vom Waldbesitzer erhalten, beim gefährdeten Ameisenhaufen die neue Infotafel im Frühling mit den nötigen Schutzhinweisen um den Ameisenhaufen herum anzubringen, damit die-ser auch nicht aus Versehen zu Schaden kommt. Vogt freut sich, dass auch der für das betreffende Gebiet zuständige Revier-Förster Marcel Sax den Schutz der Ameisen fördert. Bei einem geplanten Holzschlag wird Rücksicht auf Ameisenhaufen genommen.
Die Genossame Wangen fand vor rund einem Jahr einen weiteren grossen Ameisenhaufen, der seither regelmässig durch den zuständigen Genossenrat Paul Vogt beobachtet wird. Es ist nun an der Zeit, auch im Kanton Schwyz den Waldameisenbestand zu eruieren und die Ameisen so zu unterstützen, dass mehr Ameisenhügel entstehen können. Felders neue Erfassungssoftware kann schweizweit angewendet werden.
Damit ein solcher Verein mit Freiwilligen, die Waldameisen aktiv im Kanton Schwyz schützen möchten, nach dem Luzerner Model entstehen kann, dürfen sich Interessierte bei Pro Buechberg melden. René Felder kann die freiwilligen Ameisenwächter ausbilden, die dann mindestens zweimal im Jahr einen Ameisenhaufen beobachten und das Gesehene fotografisch und schriftlich festhalten.
Waldameisen sind für Vögel, Wald und auch für uns, besonders wenn es um Zecken geht, wichtig. René Felder vom Luzerner Waldameisen-Schutz erklärte beim Anlass von Pro Buechberg Wangen, wie man sie schützt.
Ameisen sind in der Schweiz seit 1966 geschützt.