«In unserer Region sind die Auftragsbücher gefüllt»
Präsident Martin Jud (CEO JMS-Gruppe), der seit einem Jahr im Amt ist, attestierte der Baubranche eine stabile wirtschaftliche Situation: «In unserer Region sind die Auftragsbücher gefüllt.» In seinem Jahresbericht zeichnete er anhand von Zahlen und Grafiken ein aufschlussreiches Bild. Laut Quartalsstatistik des Schweizerischen Baumeisterverbandes zeigte sich per Ende 2024 im Bauhauptgewerbe eine nahezu unveränderte Bautätigkeit im Vergleich zum Vorjahr. Der landesweite Umsatz belief sich erneut auf über 23 Milliarden Franken, und der Arbeitsvorrat lag stabil bei 16,8 Milliarden Franken. Im Kanton St.Gallen hingegen sank die Bautätigkeit um 14,8 % auf 0,97 Milliarden Franken. Dieses Ergebnis ist jedoch aufgrund unvollständiger Unternehmensmeldungen mit Vorsicht zu interpretieren.
Lange Bewilligungsverfahren
Ein zentrales Thema waren und sind jedoch die zunehmend länger werdenden Bewilligungsverfahren. Neben dem Personalmangel in den zuständigen Amtsstellen erschwert auch der stetig wachsende Umfang der einzureichenden Unterlagen den Prozess. Dies führt zu Verzögerungen, die Unsicherheiten in der Auslastung und Ressourcenplanung der Unternehmen nach sich ziehen. «Mitarbeiter müssen dennoch beschäftigt werden und pünktlich ihren Lohn erhalten», so Jud.
Neben den tagesaktuellen Herausforderungen sprach Jud auch zukunftsweisende Themen an. Künstliche Intelligenz, Kreislaufwirtschaft und die Reduktion des CO2-Fussabdrucks stehen – gleich wie in anderen Branchen – auch im Bau zunehmend im Fokus und werden das Betriebsumfeld in den kommenden Jahren nachhaltig prägen und verändern.
Hofstetter folgt auf Wespe
Präsident Martin Jud führte zügig und eloquent durch die Versammlung. Die ordentlichen Traktanden, inklusive Annahme der Rechnung 2024 und Genehmigung des Budgets 2025, erhielten die diskussionslose Zustimmung der Versammlungsteilnehmenden. Urs Wespe (Wespe Bau AG) demissionierte als Kassier. Als Nachfolger des stets umsichtig agierenden Kassiers Wespe wurde Patrick Hofstetter (Bauunternehmung Hofstetter AG) einstimmig und unter Applaus gewählt. Mit dem Dank an den scheidenden und dem Willkomm für den neuen Kassier verband Präsident Jud auch ein grosses Dankeschön an den gesamten Vorstand, die Revisoren und die Mitglieder. Zudem durfte er als Neumitglieder die GLB March und Umgebung, Tuggen, sowie die Konrad Hegner AG, Siebnen, vorschlagen – und von der Versammlung aufnehmen lassen.
«Last but not least» sprach Martin Jud einen besonderen Glückwunsch an Felix Kuster aus, der bei den WorldSkills in Lyon Vize-Weltmeister der Steinmetze wurde. Leider konnte Kuster aufgrund seines Militärdienstes nicht persönlich anwesend sein.
Stolpersteine beim FAR …
Den Mitgliedern wurden zwei interessante Fachreferate geboten. Kurt Maus, kaufmännischer Leiter des Baumeisterverbandes Kanton St.Gallen, sprach über den flexiblen Altersrücktritt (FAR) im Bauhauptgewerbe. Angesichts der wachsenden Zahl an Rentenbeziehern, insbesondere durch die Pensionierung der Baby-Boomer, kommt der FAR immer mehr unter Druck. Gegensteuer soll die Anhebung der Arbeitgeber-FAR-Beiträge auf 6 % (bisher 5,5 %) geben. «Eine massive Belastung für die Unternehmen », so Kurt Maus. Er erwähnte aber auch einschneidende Massnahmen auf Arbeitnehmerseite; unter anderem die Verluste der Altersgutschriften, was wiederum lebenslange Auswirkungen auf die PK-Renten haben wird.
… und bei Grossprojekten
Ein weiteres Referat hielt Marcel John, Kantonsingenieur im Bau- und Umweltdepartement des Kantons St.Gallen. Er beleuchtete die aktuellen Herausforderungen im Kanton St.Gallen nach dem Volks-Nein zum Autobahnausbau. Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte an Planung sind dabei verloren gegangen.
Insbesondere sprach er über Themen und Vorhaben in der Region: Verbindungsstrasse A15 Gaster, Mobilitätszukunft Rapperswil-Jona und Ausbaukonzept Rickenstrasse. In seinem Fazit schlug John den Bogen zu den Eingangsworten von Präsident Jud und den vielen Hürden, die heute genom-men werden müssen, bis eine Sache «zum Fliegen» kommt – oder eben in Stein, Beton, Holz oder Stahl als greifbares Bauwerk dasteht. «Die Palette der Gründe für eine Ablehnung von Vorlagen ist riesengross. Es ist eine Kunst, ein bewilligungsfähiges Projekt zu schaffen und dafür eine Mehrheit bei der Bevölkerung zu finden», so Marcel John. (eing)
Die 106. Generalversammlung des Baumeisterverbandes Etzel und Linth fand heuer im Gasthaus Frohberg in Rapperswil-Jona statt. Sie bot einen Einblick in die aktuelle Lage der Bauwirtschaft und beleuchtete zentrale Herausforderungen sowie Zukunftsthemen der Branche.
«Es ist eine Kunst, ein bewilligungsfähiges Projekt zu schaffen und dafür eine Mehrheit zu finden»
Marcel John
St. Galler Kantonsingenieur