«Helfen mit Herz» über Generationen
Martin Risch
Das Möbelgeschäft, das aus Galgenen heraus immer wieder Innovationen bringt und bereits in sechster Generation geführt wird, kennen viele – die diga. Hier liegt auch der Ursprung der Stiftung «Helfen mit Herz». Vor 25 Jahren gründeten Beat Diethelm und seine Frau Anna die Stiftung. Was sie in einem Vierteljahrhundert bis heute schon alles geleistet hat, das war an der Jubiläumsfeier in Galgenen zu erfahren. Die Familie Diethelm hatte dazu vergangene Woche zahlreiche Freunde, Gönner und Wegbegleiter eingeladen.
«Immer ein grosses Herz für die Anliegen sozial Schwächerer»
Ihr Vater sei «ein Visionär und Pionierunternehmer » gewesen, erklärte Roland Diethelm, der heutige Stiftungspräsident. Im Kleinen sei der Möbelpionier vergleichbar mit dem Migrosgründer Gottlieb Duttweiler. Wie die-ser habe er «immer ein grosses Herz für die Anliegen von sozial Schwächeren gehabt». Beat Diethelm, der in die-sen Tagen seinen 100. Geburtstag feiern würde, habe die Stiftungsarbeit geliebt und bis kurz vor seinem Tod «mit unglaublichem Engagement» auch gelebt. Dass das Schwerpunktgebiet der Hilfe in Nepal liegt, hat mit der Firmengeschichte, dem Teppichhandel zu tun. Ab 1985 herrscht ein regelrechter Teppichboom für Tibeterteppiche aus Nepal. Beat Diethelm reist regelmässig nach Nepal zum Einkauf. Daraus sei die Liebe zum Land und den Menschen entstanden. «Nepal is my second home», zitierte Sohn Roland den Gründer der Stiftung. In Nepal sei es dann jeweils vorgekommen, dass man den Schweizer zur Seite nahm und ihn frag-te, ob man ihm noch etwas zeigen dürfe. Erstmals waren es die Wohnunterkünfte der Teppichknüpfer.
Roland Diethelm, der seinen Vater jeweils begleitete und später den Teppichhandel bei Diga übernahm, mein-te, man sei schockiert gewesen. «Das können wir ja fast nicht verantworten», habe sein Vater gemeint. Die Knüpfer waren in «Hühnerställen» untergebracht. Die Verantwortlichen vor Ort zeigten eine Lösung auf, ein Bauprojekt. Beat Diethelm sagte einen Tag später die Finanzierung zu. 1998 fand die Einweihung des Gebäudes mit 24 Wohnungen statt, sogar ein Abgesandter der Dalai Lamas war gekommen. Das erste Hilfsprojekt war Realität, welch ein Leuchten in den Augen des Vaters, erinnert sich Roland Diethelm. Die Erkenntnis nach diesem Projekt sei gewesen: «Wenn du an einem Ort wie Nepal einmal ein Projekt realisiert hast, dann musst du nicht mehr suchen, weitere Projekte kommen automatisch.» Und im Inland? Selbstverständlich erhalte die Stiftung auch Anfragen aus dem Inland. «Da, wo wir sehen, dass es Sinn macht und dem Stiftungszweck entspricht, helfen wir auch.» Grundsätzlich liege der Fokus aber dort, «wo man mit einem Franken wesentlich mehr für die Zukunft von einer besseren Welt bewirken kann und wo es schwieriger ist, Projekte zu finanzieren, als in der reichen Schweiz.»
Zahlreiche Bauten und eine Patenorganisation
In einer Reise durch die Zeit bis heute zeigte Diethelm auf, welche Hilfsprojekte in Nepal zustande gekommen sind – erst die Wohnungen, danach solche mit Fokus auf Bildung und Gesundheit. Wichtig dabei sei das sehr gute Beziehungsnetz vor Ort gewesen. Ohne diesem könne man als private Hilfsorganisation «nicht wirklich viel bewegen oder du zahlst teures Lehrgeld».
Die Projekte waren und sind erfolgreich: so etwa die Ajad Higher Secondary School in Jhaukel. Eine Schule für rund 500 Schülerinnen und Schüler, fertiggestellt 2003 auf der grünen Wiese. Heute umgibt die Schule ein ganzes Dorf. In Kavre wiederum stehen zwei «Schweizer» Gebäude, unter dem jüngeren liegt sogar ein «March-Anzeiger» im Grundstein, wie Roland Diethelm mit einem Schmunzeln verriet.
Auch Ausbildungsstätten für Handwerker sind entstanden, wo unter anderem erdbebensicheres Bauen unterrichtet und gelehrt wird. Das zahlte sich schon aus. Vor fast genau zehn Jahren suchte ein verheerendes Erdbeben Nepal heim. Die eigenen Bauten hielten stand. Und unter der Leitung von ehemaligen Schulabgängern konnten, zusammen mit der lokalen Bevölkerung unter anderem in der Region Dading drei zerstörte Schulhäuser für insgesamt 1000 Kinder wieder aufgebaut werden.
Immer wieder sei man angesprochen worden wegen Projekten, erklärte Roland Diethelm, und wo möglich, bot man Hand. So entstand die Zusammenarbeit mit CAC (Childrens Aid Center), gegründet von fünf ehemaligen Lehrerinnen. Diese sorgen dafür, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien zur Schule können, insbesondere Mädchen. Ein Patenschaftskonzept entstand. Heute werden über Patenschaften rund 200 Kinder unterstützt.
Ein aktuelles Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Verein «Nepal – Entwicklung für Alle» (NEfA) ins Rollen kam, gilt den «Bhote Kampa», tibetischen Händlernomaden. Diese waren über Jahrhunderte im Tauschhandel tätig (Salz/Reis). Diese rund 1500-köpfige ethnische Gruppe transportierte auf ihren Ziegen und Schafen im Jahresrhythmus Salz und Reis zwischen der indischen Grenze und Purang in Tibet. Als in den 1990er-Jahren das Strassennetz ihr Gebiet erreichte, waren sie als Tauschhändler nicht mehr gefragt. Sie wurden teils sesshaft, Halbnomaden.
Mit NEfA, der für die Kinder der Bhote Khampa ein Hostel erstellt, beteiligt sich «Helfen mit Herz» an der Finanzierung der Unterkunft in Dapka in «Far West Nepal» auf rund 2500 Metern über Meer. Die Kinder der Halbnomaden erhalten eine Unterkunft für den ganzjährigen Schulbesuch.
«Stolz, aber auch demütig»
Zahlreiche Episoden und Eindrücke konnte Roland Diethelm der Festge-meinde über «Helfen mit Herz» erzählen. Am Ende betonte er: «All das, was wir in den letzten 25 Jahren zusammen mit unserem Vater realisieren durften, macht uns stolz, aber auch demütig.» Es gebe wohl kaum einen Teppichgrosshändler in Europa, der, herausgehend aus der Teppichproduktion und Diskussionen zum Thema Kinderarbeit, derart viele nachhaltige Projekte realisiert ha-be. Und es geht weiter: Die nächste Generation Diethelm, die sechste, ist nicht nur im Unternehmen tätig, sondern auch in der Stiftung ihrer Grosseltern.
Das grosse Dankeschön erging von Roland Diethelm am Ende an die zahlreichen treuen Unterstützer der Stiftung. Erst mit diesen sei es möglich gewesen, dass bis heute für rund 25000Menschen Ausbildungs- und Gesundheitsprojekte realisiert werden konnten. Eine «Herzensangelegenheit », eine nachhaltige, das war an der Jubiläumsfeier in den Diga-Geschäftsräumen zu spüren. Alle Infos zu «Helfen mit Herz» unter helfen-mit-herz.ch.
Vor 25 Jahren gründeten Beat Diethelm-Stählin und seine Frau Anna die Stiftung «Helfen mit Herz». Ihr Engagement für sozial Schwächere hat erfolgreich überdauert und wird von ihren Nachkommen weitergeführt.
«Wenn du an einem Ort wie Nepal einmal ein Projekt realisiert hast, dann musst du nicht mehr suchen, weitere Projekte kommen automatisch.»
Roland Diethelm
Stiftungspräsident von «Helfen mit Herz»