Gemeinde Lachen wagt einen Pilotversuch mit Reservationssystem
Franziska Kohler
Lachen hat in letzter Zeit einige ambitionierte Projekte lanciert, das Mehrzweckhallenprojekt «Sport und Kultur am See» ist ein jüngstes Beispiel. Dies ruft auch politischen Widerstand auf den Plan und sorgt für Diskussionsbedarf. So kommt es nicht von ungefähr, dass die Lachner Gemeindeversammlungen stets gut besucht sind.
So gut, dass beispielsweise die ausserordentliche Gemeindeversammlung vergangenen Oktober wegen Platzmangels in zwei Hallen durchgeführt werden musste – eine Videoübertragung sorgte dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger sowohl in der oberen wie der unteren Turnhalle des Seefeld-Schulhauses aktiv an der Versammlung teilnehmen konnten.
«Wir hatten im Vorfeld dieser und auch anderer Versammlungen beobachtet, wie vereinzelte Personen bereits eine Stunde früher vor Ort waren », erzählt Lachens Gemeindeschreiberin Petra Keller. «Sie wollten sich Plätze in den vordersten Reihen sichern. » Ein Grund dafür könnte die etwas knapp bemessene Beinfreiheit in den hinteren Reihen sein. Aber auch der Wunsch, sicher noch einen Sitzplatz ergattern zu können, spielte dabei eine Rolle.
Sitzplatz garantiert
Dabei stellt sich die Frage, ob im Rahmen von Lachens Gemeindeversammlungen bald Zustände herrschen wie an den Pools von grossen Ferienorten, wo die Liege schon im Morgengrauen mit einem Badetuch reserviert werden muss.
Davon geht Petra Keller nicht aus und schmunzelt. Dennoch bietet die Gemeinde Lachen eine Lösung für die Problematik. An der Gemeindeversammlung vom 24. April sind erstmals nummerierte Sitzplätze vorgesehen. Diese können via Online-Tool gebucht werden. «Wir werden die Reservierungsmöglichkeit zehn Tage vor der Versammlung aufschalten». Und gegen eine kleine Gebühr kann man sich in der vordersten Reihe sogar mehr Beinfreiheit sichern. Die Gebühr hält die Gemeinde für demokratiepolitisch unproblematisch. Denn schliesslich gehe es nur um Beinfreiheit, nicht um das Recht, an der Versammlung teilzunehmen.
Weitere Gemeinden interessiert
Lachen übernimmt mit diesem neuen Vorgehen die Rolle einer Pilotgemeinde. Denn die Initiative und das Umsetzungstool dafür kommt vom Verband Schwyzer Gemeinden und Bezirke (vszgb), wie deren Präsident Martin Wipfli, Gemeindepräsident von Feusisberg, auf Anfrage bestätigt.
Auch andere Gemeinden in Ausserschwyz hätten bereits Inter-esse an dem Projekt bekundet. Denn die steigende Bevölkerungszahl in der Region werde über kurz oder lang zu übervollen Gemeindeversammlungen führen. «Der Komfort für die Bürgerinnen und Bürger ist uns wichtig», erklärt Wipfli. Niemand soll gezwungen sein, eine Stunde früher an eine Gemeindeversammlung gehen zu müssen, nur um noch einen Sitzplatz zu ergattern. Das Reservationssystem ha-be zudem den Vorteil, dass die Gemeinden bereits im Vorfeld abschätzen können, wie hoch der Platzbedarf sein wird, und könnten allenfalls einen zweiten Saal hinzubuchen oder mehr Stühle aufstellen. Auch die Installation eines Video-Übertragungssystems könne so frühzeitig geplant werden. «Dies entlastet am Ende auch die Gemeindeangestellten », so Wipfli.
Und die Idee hat interkantonale Strahlkraft. Auch der Verband St.Galler Gemeindepräsidien (VSGP) habe bereits Interesse bekundet. Gerade Rapperswil-Jona sehe sich immer wieder mit überfüllten Bürgerversammlungen konfrontiert.
Lachen kämpft mit Platznot während Gemeindeversammlungen. Ein Reservationssystem soll dem Abhilfe schaffen. Die Initiative stammt vom Verband Schwyzer Gemeinden und Bezirke (vszgb).