Was wird aus der Idee der Inklusions-WM?
Wir waren eine Delegation », schwärmt Olivia Stoffel, Leiterin Spitzensport bei PluSport Behindertensport Schweiz und Delegationsleiterin Paracycling an der Rad-WM. «Wir logierten im gleichen Hotel, alles war gut aufeinander abgestimmt, das ganze Setting für den Sport war besser.» Für den Para-Sport sei die Inklusion ein grosses Plus. «Zentral gelegen, Tausende Zuschauer, mediale Präsenz. Seit London 2012 hatten wir nie mehr so viele Zuschauer», sagt sie mit dem Verweis auf ein Handbike-Rennen, das gerade im Gang ist.
Neues Miteinander
Normalerweise kreuzen sich die Wege von Sportlerinnen und Sportlern mit Beeinträchtigungen und solchen ohne an Wettkämpfen eher selten. Das ist auch auf höchster Stufe so; die Paralympics folgen nach den Olympischen Spielen. Die WM in Zürich machte dies anders: Radprofis ohne Beeinträchtigung und Paracycler und Paracyclerinnen fuhren während des neuntägigen Events teils auf denselben Strecken und während derselben Tage.
«Ja, es war ein Hosenlupf», sagt Daniel Rupf, der OK-Chef der WM 24. Dabei meint er nicht nur die Vielzahl an Rennen, sondern auch den barrierefreien Zugang – für Aktive und Zuschauer. Die Wettkämpfe an sich hätten sich gut inkludieren lassen, aber das ganze Drumherum habe seinen Preis. Die Dauer der WM ziehe sich in die Länge, auch müssten sämtliche temporären Bauten für alle zugänglich gemacht werden. Und trotz aller Vorkehrungen müsse doch immer wieder improvisiert werden. So stellte sich beispielsweise heraus, dass der Gang zur Dopingkontrolle zunächst nicht für alle machbar war.
Für Rupf sollte es mittelfristig selbstverständlich sein, dass die Weltverbände inkludierte Titelkämpfe mit dem Para-Sport verordnen – in Zürich kam dies auf Initiative des Veranstalters zustande. «Der Sport hat eine emotionale Vorreiterrolle. Man hat als Sportverband die Möglichkeit, inkludierte Titelkämpfe zu organisieren, sofern man sich das auf die Fahne schreibt.» Im Strassen-Radsport wird dies in den nächsten zwei Jahren auf Stufe WM nicht der Fall sein, obwohl, so Rupf, «der Rad-Sport geeignet ist. Die Strassen sind ja da. Wir können über dieselbe Ziellinie fahren.» Für Olivia Stoffel ist alles, was im Stadion stattfindet, am einfachsten. Aber die Leichtathleten beispielsweise planen derzeit keine vereinigten Titelkämpfe mit den Para-Sportlern – auch weil diese in den Verbandsstrukturen nicht in World Athletics integriert sind.
2027 wieder alle zusammen
In einigen Disziplinen gibt es ab und an inkludierte Titelkämpfe wie beispielsweise im Sportklettern oder nun mit der CISM-WM 2025 in Luzern. Aber ein inkludierter Grossanlass wie in Zürich ist erst 2027 in Sicht. Die UCI Cycling World Championships in Frankreich im Departement Haute-Savoie vereinen Weltmeisterschaften in nahezu allen Radsport-Disziplinen. So wie schon in Glasgow 2023 mit Strasse, Bahn, Mountainbike oder Kunstradsport – immer alles mit Paracycling.
Für die Inklusion im Sport war die Rad- und Paracycling-Strassen-WM in Zürich ein voller Erfolg. Dieser Fakt ist unbestritten, doch weitere Events dieser Art sind nur vereinzelt in Sicht.
«Seit den Paralympics in London 2012 hatten wir nie mehr so viele Zuschauer.»
Olivia Stoffel
Schweizer Delegationsleiterin Paracycling an der WM in Zürich