Schweizer Langläufer setzen auf Teamgeist und Frauenpower

Heute starten die Langläufer in eine spezielle Weltcupsaison. Für Dario Cologna ist es die 16. und letzte. Der Höhepunkt mit den Olympischen Spielen in China macht die Planung nicht einfach.

DIE BALD-PENSIONÄRE. Dario Cologna scheint sich von seiner Knieverletzung schneller erholt zu haben als befürchtet. Er belegte letzte Woche bei FIS-Rennen im schwedischen Gällivare die Plätze 2 (klassisch) und 4 (Skating) und entschied deshalb, am Wochenende beim Weltcup-Start im Norden Lapplands dabei zu sein. Neben Cologna hören auch die Sprint-Spezialisten Laurien van der Graaff und Jovian Hediger im nächsten Frühling mit dem Spitzensport auf.

BITTERKALT. Für Cologna zählt in seinem letzten Winter als Profisportler nur eines: die Olympischen Spiele vom 5. bis 20. Februar in China. Im Nordisch-Zentrum in Zhangjiakou rund 200 km nordwestlich von Peking strebt der 35-jährige Bündner seine fünfte Medaille an. Die Trauben werden sehr hoch hängen, im durchzogenen letzten Winter lief er nur einmal aufs Podest. Vieles ist unbekannt, auf den olympischen Loipen ist noch kein Weltklasse-Athlet gelaufen. Was klar scheint: Es wird im Februar sehr kalt und trocken sein, ähnlich wie vor vier Jahren in Südkorea. Für Cologna kann das ein gutes Zeichen sein, in Pyeongchang holte er über 15 km seine vierte Olympia-Goldmedaille.

TEAMGEIST. Die vielleicht grösste Medaillenchance rechnet sich Cologna mit der Staffel aus. «Unser Traum ist und bleibt diese Team-Medaille an Olympischen Spielen», sagt der Schweizer Langlauf-Chef Christian Flury. Vorbild ist Frankreich, das auf dem Papier nicht besser besetzt ist als die Schweiz und bei den letzten sechs Grossanlässen zwei Olympia- und drei WM-Bronzemedaillen gewann. An der WM in Oberstdorf belegte das Schweizer Quartett knapp 20 Sekunden hinter den Franzosen den 5. Platz.

FRAUENPOWER. Dafür holten im Allgäu Nadine Fähndrich und Laurien van der Graaff die erst zweite WM-Medaille von Schweizer Langläuferinnen. Dazu gewannen die beiden den Teamsprint in Dresden, wo Fähndrich auch den Solo-Sprint für sich entschied. Der Haken: Bei Olympia wird klassisch statt in der Skating-Technik gelaufen, ein Nachteil für die beiden Schweizerinnen. Doch Fähndrich lässt sich davon nicht beirren. «Es gab schon lange keinen klassischen Teamsprint mehr, und im Weltcup gibt es vor Olympia auch keinen mehr.» Sie glaubt deshalb, dass vieles möglich sei, im Team mit ihrer guten Freundin Van der Graaff und auch alleine. «Vom Gefühl her bin ich sogar noch etwas stärker als im letzten Jahr.»

AUFTAKT IM HOHEN NORDEN. Kalt wird es nicht nur bei Olympia, sondern traditionell auch beim Weltcup-Auftakt im Hohen Norden. Gestartet wird mit dem Ruka Triple bei Kuusamo am Polarkreis. Dieses besteht aus einem Klassisch-Sprint am Freitag, einem Klassisch-Rennen (15 km bei den Männern, 10 km bei den Frauen) mit Einzelstart und einer Skating-Verfolgung am Sonntag. Weiter geht es eine Woche später in Lillehammer. Die Schweizer – allen voran Dario Cologna – waren in der Vergangenheit selten Schnellstarter. Ihr erster Höhepunkt folgt am 11./12. Dezember in Davos.

DOMINATOREN. Die Dominatoren dürften die gleichen sein wie in den letzten Jahren. Es zeichnet sich erneut ein Zweikampf ab zwischen dem bärenstarken russischen Kraftpaket Alexander Bolschunow und dem norwegischen Wunder-Sprinter Johannes Hösflot Klaebo. In der letzten Saison hatte im Weltcup Bolschunow die Oberhand, an der WM mit dreimal Gold Klaebo. Der Russe wurde aber im Skiathlon erstmals Weltmeister und will nun nach dreimal Silber und einmal Bronze in Pyeongchang erstmals auch bei Olympia zuschlagen.

NEUERUNGEN. Um die Bedeutung und Attraktivität des Prologs im (Einzel-)Sprint zu erhöhen, erhalten die ersten zehn der Qualifikation neu Weltcup-Punkte (15 für den Sieger, 1 für den 10.). Zudem sollen am 13. März in Falun erstmals auch Mixed-Wettkämpfe ausgetragen werden. In Schweden stehen eine Mixed-Staffel und ein Mixed-Teamsprint im Programm.