Direktor für Arbeit im Seco relativiert «Hype» um Homeoffice

Homeoffice sei ein Zustand, der trotz Corona nicht länger andauern könne, sagt Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco in einem Interview. Die Führung werde anspruchsvoller, man spüre nicht wirklich, wie es den anderen gehe.

Zudem sei es schwierig, die Arbeitgeberpflichten einzuhalten, sagte der frühere Chefökonom beim liberalen Thinktank Avenir Suisse und beim Forschungsinstitut BAK Basel im Tamedia-Interview vom Samstag.

Zürcher erklärte weiter, Arbeitgeber müssten dafür sorgen, dass dort, wo die Angestellten arbeiteten, die Arbeitsbedingungen korrekt seien. Zudem dürften die Arbeitgeber auch ein Interesse daran haben, dass die Vertraulichkeit von Firmenangelegenheiten gewahrt blieben. «Das alles im Homeoffice sicherzustellen, ist gar nicht so einfach.»

Hinzu komme die Frage, was das Homeoffice für die Firmenkultur und die Unternehmensidentität bedeute. «Das sind Dinge, die letztlich das Wesen einer Firma ausmachen.» Die Art, an Probleme heranzugehen, könne man nur im Betrieb, im sozialen Austausch mit den Mitarbeitenden lernen, nicht im Homeoffice, so der Seco-Direktor.

Die Kommunikation sei stark eingeschränkt. Alles Nonverbale falle eigentlich trotz Videokonferenzen weg. «Wenn man sich nicht sicher ist, für welche Option man sich entscheiden soll, ist es wichtig, auch die nonverbalen Signale der Mitarbeitenden zu erfassen.» Zürcher glaubt deshalb nicht, dass Homeoffice von Dauer sein werde.

Laut einer Ende Mai von den Gewerkschaften veröffentlichten Umfrage möchten 90 Prozent der Beschäftigten Homeoffice grundsätzlich als Ergänzung zur Arbeit vor Ort zulassen. Vorbehalte hatten die 1126 Befragten wegen der fehlenden informellen Kontakte und der Isolation, der Ausstattung des Arbeitsplatzes zuhause und der Auslagen für Homeoffice.