Die schwierige Suche nach den strukturrelevanten Bereichen

Nachdem das Parlament die Nachtragskredite zur Bewältigung der Corona-Pandemie abgesegnet hat, geht es nun um die konkrete Verteilung der Gelder auch im Sport.

Er habe bewusst verhindern wollen, dass aus dem Zukunftstag eine Verteildiskussion werde, sagte Jürg Stahl, der Präsident von Swiss Olympic, am Dienstag, als rund 80 Interessenvertreter über die Zukunft des Sports nach Corona gesprochen hatten. Dennoch war das Hilfspaket des Bundes ein zentrales Thema. «Wir brauchen diese finanzielle Unterstützung auch», so Stahl. «Nebst allen monetären Diskussionen ist es auch eine Frage der Strukturen und der Bereitschaft, Veränderungen anzugehen. Dann können wir die Mittel gut einsetzen.»

Am Donnerstag einigten sich National- und Ständerat über die Leitplanken des Stabilisierungspakets, mit dem bis Ende des laufenden Jahres maximal 225 Millionen Franken, die Soforthilfe von 100 Millionen nicht mitgezählt, ausgeschüttet werden. Damit kann der Schweizer Sport das Geld nun verteilen, um die durch die Corona-Krise entstandenen kurzfristigen Schäden abzufedern.

Doch wer erhält nun wie viel Geld? Klar ist bisher einzig, dass 175 Millionen Franken in Form von rückzahlbaren Darlehen an die Profiklubs im Fussball und Eishockey gehen und 50 Millionen als À-fonds-perdu-Beiträge für die Verbände. Weitere insgesamt 275 Millionen Franken sollte das Parlament im Rahmen der Budgetdiskussion für 2021 bewilligen.

Das Bundesamt für Sport (Baspo) wird mit Swiss Olympic bis Anfang Juli eine Leistungsvereinbarung abschliessen, in der die Eckpunkte der Verteilung festgehalten sind. Am Dachverband liegt es anschliessend, im Rahmen dieser Leitplanken mit jedem einzelnen Sportverband möglichst rasch eine entsprechende Vereinbarung abzuschliessen.

Die rückzahlbaren Darlehen für die Profiklubs sind mit Verpflichtungen und Auflagen verbunden. Unter anderem dürfen die Gelder nicht für überdurchschnittliche Spielerlöhne verwendet werden. Können die Darlehen nicht innerhalb von drei Jahren zurückbezahlt werden, müssen die Löhne um 20 Prozent gesenkt werden. Die Klubs haften zudem solidarisch dafür.

Offener ist die Ausgangslage bei der Verteilung der À-fonds-perdu-Beiträge. Weil die Finanzhilfe explizit als Hilfs- und Stabilisierungspaket definiert ist, werden Swiss Olympic und die Verbände nun herausfinden müssen, welche Bereiche der einzelnen Verbände strukturrelevant sind. Sind es die grossen, internationalen Veranstaltungen? Die Breitensport-Anlässe? Die Klubs? Der Nachwuchs? Diese Frage beschäftigt derzeit die Entscheidungsträger. Betroffen seien alle Bereiche des Sports, so Jürg Stahl. «Die Probleme sind überall sehr ähnlich, aber eben doch unterschiedlich.»

Die Zeit eilt, weil nicht bezogene Gelder per Ende Jahr verfallen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie oftmals noch nicht bezifferbar sind. Wie viele Sponsoren werden in den kommenden Monaten abspringen, weil sie selbst wirtschaftliche Probleme haben? Können weiterhin VIP-Pakete abgesetzt werden? Gehen die Zuschauer – selbst wenn sie wieder dürfen – überhaupt noch im selben Ausmass an Grossveranstaltungen?

Es sei alles «Kaffeesatzlesen» im Moment, war der allgemeine Tenor am Zukunftstag vom Dienstag. Wollen sie von den Bundesgeldern profitieren, müssen die Klubs, Verbände und Veranstalter in den nächsten Wochen dennoch Antworten finden.