Handballer dürfen Bälle mit Händen berühren, Fussballer nicht

Ab Montag darf in der Schweiz wieder Sport getrieben werden. Aber: «Ohne Schutzkonzept keine Sportaktivität», sagt Jürg Stahl, der Präsident von Swiss Olympic. Ein Umblick über Schutzkonzepte.

Wer darf? Wer darf was? Und wer darf nicht? Alles wurde in den letzten Tagen mit Schutzkonzepten, Verhaltens – und Hygiene-Regeln akribisch festgelegt. Die Schutzkonzepte müssen aufzeigen, wie die jeweilige Sportart ausgeübt werden kann, ohne Ansteckungen zu riskieren. Weiterhin gilt: Kein Körperkontakt und ein Mindestabstand von zwei Metern. Wettkämpfe bleiben ohnehin verboten.

Klar ist: Die ersten Lockerungen im Sportbereich sind ein minimaler Schritt. Die ab Montag geltenden Regeln lassen Trainings im Fussball – der beliebtesten Sportart -, aber auch im Unihockey, Volleyball, Eishockey, Handball, Basketball, Schwingen und Karate im Prinzip kaum zu. Mehr als drei Viertel der Hobby-Sportler in der Schweiz betreiben Sportarten, in denen nur mit grössten Einschränkungen trainiert werden kann.

Verwirrung gab es um die Schwimmbäder. Vor einer Woche verlautete aus dem Bundesrat, auch Schwimmbäder dürften am 11. Mai wieder öffnen. Tatsächlich öffnen die Bäder aber frühestens am 8. Juni – mit einer Ausnahme. Im «Sport Resort» in Fiesch dürfen die Spitzenschwimmer ab Montag trainieren – weil das 25-m-Becken Bestandteil eines Hotel- und Beherbergungsbetriebs ist. In anderen Trainings-Hotspots wie Magglingen oder Tenero muss noch zugewartet werden.

Generell gelten für den Spitzensport andere, weniger strenge Regeln. Die Profiklubs im Fussball dürfen sogar schon bald wieder Mannschaftstrainings abhalten. Von den erweiterten Lockerungen profitieren alle Mitglieder der Nationalkader, alle höchsten Ligen (NLA, im Fussball und Eishockey die zwei höchsten Ligen) und die Cardholder von Swiss Olympic (Gold/Silber/Bronze/Elite/TalentCard).

Alle Schutzkonzepte der Verbände ähneln sich. Das entspricht der Logik, denn Konzepte wurden von BASPO und Swiss Olympic bereit gestellt; die Sportarten passten sie jeweils den speziellen Bedürfnissen an. Zu den Rahmenbedingungen in jedem Schutzkonzept zählt: Wer sich nicht gesund fühlt, macht nicht mit, An- und Abreise nicht mit dem Öffentlichen Verkehr, es sollen keine Garderoben vor Ort angeboten werden und die Anlagen müssen regelmässig desinfiziert und gereinigt werden. Jede Organisation muss einen Verantwortlichen benennen, der die Umsetzung des Konzepts garantiert.

Bei der Umschau durch die Konzepte fällt auf, dass…

– … beim SAC (Schweizer Alpen-Club) primär Seil und Schlingen als Gruppenmaterial gelten. Seil und Schlingen werden in der Regel von 2 bis 5 Personen gleichzeitig benutzt. «Von der Desinfektion des Klettermaterials, insbesondere des Seils und der Expressschlingen, wird abgeraten. Das Besprühen könnte durch physikalische Vorgänge und chemische Reaktionen zu einer Verminderung der Haltekräfte führen.» Es will ja niemand, dass vor lauter Hygiene plötzlich alle Stricke reissen.

– … bei Swiss Moto (Motorradsport) sogar die zwingenden Vorkehrungen beschrieben sind (Handschuhe, Schutzmasken), die nötig sind, dass man sich einem verunfallten Fahrer überhaupt erst annähern darf.

– … beim Handballverband innerhalb einer Trainingsgruppe (max. 5 Personen) jeder den Ball des anderen berühren darf und sich auch alle einer Gruppe aus der gleichen Harz-Dose bedienen dürfen. Ein Schusstraining mit Torhüter ist so möglich.

– … beim Tennisverband (und Tischtennis) aber – um eine allfällige Ansteckungsgefahr über die Bälle auszuschliessen – empfohlen wird, dass jeder Spieler seine eigenen Bälle markiert. Der Kontakt fremder Bälle mit der Hand kann so ausgeschlossen werden. Aufgeschlagen wird nur mit eigenen Bällen. Fremde Bälle können mit dem Fuss oder mit dem Schläger zum Mitspieler spediert werden.

– … auch im Fussball die Bälle nicht angefasst werden dürfen. Kopfballtraining ist verboten, ebenso Spucken.

– … im American Football ein Training unter den aktuellen Bedingungen alles andere als einfach ist. Gemäss Schutzkonzept sollte klar sein, dass keine Übungsformen mit Kontakt möglich sind. Also kein Blocking, kein Tackling, kein 1 gegen 1, kein Walkthrough und keine Scrimmage. Was übrig bleibt ist Kraft, Ausdauer und individuelle Grundlagen. Aber auch hier: Bälle dürfen zwischen zwei Spielern hin- und hergeworfen werden.

– … im Kickboxen für die Begrüssung die asiatische Verbeugung empfohlen wird. Auch hier ist der Abstand von 2 m immer einzuhalten. Das Kickbox-Training beinhalte eine sehr breite Palette an Trainingsformen, die ohne Körperkontakt und Partner ausgeführt werden können (Grundlagentraining, Boxsack etc).

– … im Schutzkonzept des Rugby-Verbandes eine 5-Phasen-Planung erwähnt wird, die wohl auch für andere Mannschaftssportarten gilt. Auch der Baseballverband bezieht sich in seinem Schutzkonzept auf vorgegebene Phasen, wobei sich die Baseballer derzeit erst auf die (aktuelle) erste Phase beziehen. Gemäss dem Rugby-Verband ist erst ab Phase 4 normaler Körperkontakt wieder erlaubt. Diese vierte Phase könne frühestens und nur im besten Fall in 10 Wochen, also in den Sommerferien, gestartet werden.

– … das Konzept des Ruderverbandes den 2-m-Abstand nicht vorsieht. Der Rudersport sei eine Sportart, die ohne Berührungen der einzelnen Ruderinnen und Ruderer ausgeübt wird. In den Booten sitzen die Personen hintereinander (kein «face to face»). Daher kann der Rudersport in der Schweiz in Kleinbooten betrieben werden.

Viele Klubs verzichten noch

Klar ist: Auch wenn ab Montag das Sporttreiben offiziell wieder erlaubt sein wird – es dauert noch lange, bis im Sport zur Normalität zurückgekehrt werden kann. Wie sollen kleine Klubs diese Schutzkonzepte umsetzen können, was nicht einmal Bundesligisten (wie Hertha Berlin) schaffen. Stellvertretend für viele kleine Klubs die Mitteilung des FC Lerchenfeld, veröffentlicht auf der Klub-Homepage:

«Der Bundesrat hat entschieden, ab 11. Mai im Breitensport Gruppentrainings mit max. 5 Personen unter Einhaltung des Schutzkonzeptes des Verbandes zuzulassen. Das Schutzkonzept des SFV ist auf der Webseite von Swiss Olympic ersichtlich. Die Einhaltung der zahlreichen Hygiene- und Distanzregeln sowie weitere Auflagen stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Der Vorstand sieht bis auf weiteres keine Möglichkeit, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen. Die Sportanlagen bleiben weiter geschlossen.»