Die Hoffnung auf baldige Lockerungen im Einzelsport

Der Frust über die fehlende Lockerung der Coronavirus-Massnahmen im Breitensport ist bei einigen Verbänden gross. Die Hoffnung, dass solche schon bald kommen, lebt aber.

Die Präsidenten des nationalen Tennis- respektive Golfverbands machten ihrem Ärger am Wochenende über verschiedene Medien Luft. Sie konnten nicht verstehen, dass der Bundesrat für ihre Sportarten, die ohne Körperkontakt und mit genügend Abstand praktiziert werden, keine Lockerungen im Kampf gegen des Coronavirus beschlossen hatte und sie davon ausgehen mussten, dass ihre Anlagen vor dem 8. Juni – dem Start der dritten Phase der Lockerungen – nicht öffnen dürften. Der Bundesrat beauftragte das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) damit, bis am 13. Mai ein Konzept zur Lockerung der Massnahmen im gesamten Bereich des Sports zu erarbeiten.

Mittlerweile hat sich der Ärger etwas gelegt, vielmehr werden konstruktive Lösungen für eine frühere Lockerung gesucht. «Der Sport arbeitet darauf hin, dass der Bundesrat diese Unterlagen vorher hat und Lockerungen auf das zweite Datum, den 11. Mai, möglich werden», erklärt Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er weiss auch schon wie. «Im Tennis bist du ja immer sechs Meter auseinander, selbst wenn einer am Netz ist. Es geht um die anderen Schutzmassnahmen, dass die Restaurants und die Garderoben zu sind, die Leute 15 Minuten vor dem Spiel kommen und 15 Minuten danach wieder weg sind. Etwas trinken oder duschen müssen sie zuhause», hält Stammbach fest. «Wir stellen den Klubs bis Ende Juni gratis die Applikation GotCourts zur Verfügung. Damit kommt nur auf den Tennisplatz, wer reserviert hat. Und damit könnte man auch einen positiven Fall gut nachverfolgen.»

Bereits am letzten Freitag, am Tag nach dem Bundesratsentscheid, gab es eine erste Telefonkonferenz zwischen dem Dachverband Swiss Olympic und den einzelnen Verbandsvertretern. Seither gibt es praktisch täglich Gespräche. «Ich verstehe, dass bei den Verbänden eine gewisse Enttäuschung besteht», sagt Swiss-Olympic-Direktor Roger Schnegg. «Swiss Olympic setzt jedoch aktuell zusammen mit dem BASPO und den Verbänden alles daran, dass der Sport ab Mitte Mai, ab dem der Bundesrat bei positiver epidemiologischer Entwicklung eine weitere Lockerung in Aussicht gestellt hat, stufenweise zur Normalität zurückkehren kann.» Dies dürfte allerdings vorerst höchstens für Einzelsportarten ohne direkten Kontakt möglich sein.

Den Vorwurf, man habe zu wenig für den Sport lobbyiert, lässt Schnegg nicht gelten. «Wir demonstrieren nicht auf dem Bundesplatz, aber das heisst nicht, dass unsere Forderungen nicht gehört werden.» Bundesrat und Parlament hätten in den letzten Jahren bewiesen, dass sie sehr sportfreundlich sind. «Wir wollen ein glaubwürdiger, konstruktiver Ansprechpartner für Bund und alle Partner sein.»

Bereits an diesem Freitag werden die ersten vorliegenden Lockerungskonzepte innerhalb der Bundesverwaltung in die so genannte Ämterkonsultation gehen. Beim Bundesamt für Sport will man sich bezüglich Fahrplan nicht in die Karten schauen lassen. «Ob für einzelne Sportarten schon vor dem 13. Mai Lockerungen möglich sind, kann ich im Moment nicht sagen», erklärt Kommunikationschef Christoph Lauener. Er verspricht aber: «Der Bundesrat wird mit Augenmass und Verhältnismässigkeit entscheiden. Er ist dem Sport sicher wohlgesinnt und hat sehr rasch ein Hilfspaket geschnürt.»

Bei Swiss Olympic liegt der Fokus weniger auf den nächsten zwei oder drei Wochen, sondern ist langfristiger. «Die ganz grosse Herausforderung für den Sport kommt im nächsten Jahr», befürchtet Roger Schnegg. «Wenn die Gelder wegen der Coronakrise knapper und zum Beispiel weniger Sport-Toto-Gelder ausgeschüttet werden und die Mittelbeschaffung generell schwieriger wird. Genau dann braucht es die bereits erwähnte Glaubwürdigkeit.» Auch hier gibt es von Lauener ein Versprechen: «Wir vom BASPO werden alles dafür machen, um den Sport wieder aufzurichten.»

Derweil hoffen die Golf- und Tennisspieler, dass sie einfach sobald wie möglich wieder ihrem Hobby frönen können.