Bei Wayne Gretzkys Abschied wurde sogar die Hymne umgeschrieben

Am 18. April 1999 bestritt Wayne Gretzky in New Yorks Madison Square Garden sein letztes Spiel.

Gretzky konnte die Tränen nicht zurückhalten. Dabei hatte er verlangt, sein Abschied solle eine Party sein und keine Beerdigung.

Es war damals die Zeit der grossen Abschiede: Basketballer Michael Jordan hatte den Anfang gemacht. Quarterback John Elway folgte eine Woche nach Gretzky und Jürgen Klinsmann eine Woche nach Elway.

Bei keinem passte die Bühne besser als bei Gretzky. Im Madison Square Garden, d e r Sportstätte New Yorks, wurde Gretzkys Abgang zelebriert. Selbst die Hymne wurde an diesem Abend umgeschrieben: Bryan Adams sang sie und änderte die letzte Zeile von «Oh Canada» zu «We will miss you Wayne» ab.

Gretzky, der beste Eishockeyaner der Geschichte, der «GOAT» (Greatest Of All Times), erhielt die Abschieds-Party, die er verdiente. «Seit ich drei Jahre alt war, spiele ich Eishockey. Ich liebe dieses Spiel. Es bringt mich fast um, es nicht mehr zu spielen. Aber mein Entschluss, der schwerste meines Lebens, ist richtig und unumstösslich», erklärte «The Great One», der damals 61 NHL-Rekorde hielt, den 18’200 Zuschauern im Stadion.

Es folgten vier Ehrenrunden, minutenlangen Ovationen, ein Lächeln und viele Tränen. Gary Bettman, schon damals Comissioner der NHL, sagte: «Wenn Sie dieses Trikot ausgezogen haben, wird nie wieder jemand die Nummer 99 tragen.»

Im NHL-Spiel Nummer 1695 gelang Gretzky ein letzter Skorerpunkt. Zum 1:1-Ausgleich seiner New York Rangers gegen die Pittsburgh Penguins leistete Gretzky die Vorarbeit, sein 3239. Skorerpunkt. Der Siegtreffer zum 2:1 für die Gäste blieb einem seiner Erben vorbehalten. Jaromir Jagr beendete nach 82 Sekunden der Verlängerung Gretzkys Karriere. «Vielleicht ist es passend, dass der beste junge Spieler im Eishockey den Schlusspunkt setzte», meinte Gretzky damals. «Jeder spricht davon, dass die Fackel weitergegeben wird. Jagr hat sie aufgenommen. Das habe ich zu ihm gesagt: ‚Du trägst jetzt die Fackel‘.»

Den Abgang verpasste Gretzky nicht. In seiner letzten Saison gelangen ihm noch 9 Tore und 53 Assists, womit er zwar der beste seines Teams blieb, in der Skorerwertung der NHL aber bloss Platz 37 belegte. Bei den Rangers wies er mannschaftsintern die mit Abstand schlechteste Plus-Minus-Bilanz auf (-23).

Im Frühling 1999 hofften NBA und NHL noch, dass Jordan oder Gretzky auf den Rücktritts-Entscheid zurückkommen würden. Jordan spielte aber bloss noch Baseball (und schaffte es dort bis in die Minor Leagues). Gretzky liess sich von niemandem mehr überreden. Ein Jahr nach dem Rücktritt stieg er als Eigentümer bei den Phoenix Coyotes ein (bis 2009). Seit 2015 ist er Mitbesitzer der Edmonton Oilers, mit denen er vier Mal den Stanley Cup gewann.

Pauli Jaks spielte mit Gretzky

Auf den europäischen Eisfeldern war Wayne Gretzky ein rarer Gast. In der Schweiz konnte man ihn gar nie live bewundern. Dennoch gab es Begegnungen mit Schweizer Hockeyanern. Nationalcoach Patrick Fischer wohnte während seiner Zeit bei den Phoenix Coyotes sogar bei Gretzky. Fischer sagt im Rückblick, dass «es Wayne Gretzky wahrscheinlich gefallen hat, dass ich ihn ganz normal behandelte wie jeden anderen auch». Noch heute hält Fischer Kontakt zu Gretzky. Wenn er nach Nordamerika reist, meldet er sich bei ihm.

Nur ein Schweizer schaffte es, einmal mit «The Great One» im gleichen Team zu spielen. Goalie Pauli Jaks kam am 29. Januar 1995 zu einem denkwürdigen Einsatz: Als erster Schweizer überhaupt kam er zu einem NHL-Einsatz – mit den Los Angeles Kings. Die Begegnung mit Gretzky wird Jaks nie vergessen: «Ich ging davon aus, dass er mich gar nicht beachten würde. Das Gegenteil war der Fall. Gretzky sagte mir, ich könne jederzeit zu ihm kommen, wenn ich ein Problem hätte.»

Gute Erinnerungen an Gretzky hat auch Paul Di Pietro. Er gewann 1993 mit Montreal gegen Gretzky und die Los Angeles Kings den Stanley Cup. Nach der Einbürgerung erzielte Di Pietro an den Winterspielen in Turin die zwei Goals zum sensationellen Schweizer 2:0-Sieg über Kanada. Gretzky wirkte damals als General Manager des kanadischen Dream Teams.

Gegen ein All-Star-Team mit Gretzky spielten 1993 während des NHL-Lockout in Freiburg im Breisgau auch die Klotener Felix Hollenstein und Roman Wäger.