Jeff Collet bereitet der Fussball mehr Sorgen als das Tennis

Jeff Collet organisiert die Tennis-Turniere in Lausanne und Gstaad und ist seit einigen Monaten Besitzer von Neuchâtel Xamax. Im Interview spricht er über die Konsequenzen der Coronavirus-Pandemie.

Jeff Collet, Sie organisieren die Tennis-Turniere in Lausanne und Gstaad, die im Juli stattfinden sollen. Wie sieht die Situation momentan aus?

Collet: «Wir stehen regelmässig in Kontakt mit der ATP und der WTA. Mitte Mai soll ein Entscheid fallen. Normalerweise wird vorher nichts beschlossen.»

Gibt es verschiedene Szenarien?

«Nein, entweder verbessert sich die Situation auf internationalem Niveau deutlich und die Spieler können in Betracht ziehen zu reisen. Dann wird die ATP Grünes Licht geben. Und zudem muss es auch von den Richtlinien der Schweizer Behörden her möglich sein. Es muss also auf zwei Ebenen Entschlüsse geben.»

Das unmittelbar vor dem Tennis-Turnier stattfindende Beachvolleyball-Turnier in Gstaad wurde schon abgesagt. Bereitet Ihnen das zusätzliche Sorgen?

«Das ist natürlich nicht ideal, weil wir viel Infrastruktur geteilt haben. Im Aufbau des Stadions haben wir zahlreich Aufgaben geteilt. Sie haben mit den internationalen Verbänden früher einen Entscheid getroffen. Wir verstehen und respektieren das.»

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die Turniere stattfinden können?

«Es hängt von vielen Dingen ab. Ich bin nicht speziell optimistisch. Man sieht, dass sich die Coronavirus-Pandemie etwas beruhigt. Ob es jetzt aber ausreichend sein wird, um Mitte Juli Sportveranstaltungen durchzuführen, bezweifle ich schon ein wenig.»

Können Sie sich vorstellen in der Not ein regionales Tennis-Turnier durchzuführen?

«Ich glaube nicht. Wenn wir Probleme haben mit den Reisemöglichkeiten der Spieler, glaube ich nicht, dass wir etwas Regionales aufziehen. Man muss schon viel Infrastruktur aufbauen… Die Chance ist gering. Ich will es nicht komplett ausschliessen. Man soll nie nie sagen – aber normalerweise nicht.»

Was hätten Absagen für Sie für Konsequenzen?

«Das wäre natürlich schade. Wir haben das Glück, dass wir die Kosten limitiert hätten, weil wir noch nicht mit dem Aufbau der Infrastruktur begonnen haben. Aber es ist klar, dass wir schon einiges investiert haben, etwa im Marketing und in das Personal. Es ist nichts Angenehmes – aber wir werden überleben.»

Die Turniere 2021 sind nicht gefährdet?

«Nein, nein, nein. Wir sind solid aufgestellt. Für nächstes Jahr werden wir auf jeden Fall bereit sein.»

«Keine Show ohne Zuschauer»

Sie sind auch Besitzer von Neuchâtel Xamax. Was macht Ihnen derzeit mehr Sorgen: das Tennis oder der Fussball?

«Es ist der Fussball. Der Fussball ist eine Maschine, die nicht gestoppt hat. Es gibt laufende Personalkosten und ziemlich viele Sorgen, um zu wissen, wie wir die Meisterschaft zu Ende bringen werden. Fussball ist problematischer. Im Tennis ist die Frage einfacher: Man führt es durch oder nicht.»

Was ist die beste Option für die Super League?

«Ich möchte die Saison zu Ende spielen – aber mit Publikum.»

Geisterspiele lehnen Sie ab?

«Der Entscheid liegt nicht bei mir. Ich persönlich bin völlig dagegen, Matches ohne Zuschauer zu organisieren. Es macht keinen Sinn. Ginge es um ein oder zwei Spiele, könnte man darüber diskutieren. Aber wir reden hier von 13 Partien plus die Barrage. Der professionelle Fussball ist eine Show. Man macht keine Show ohne Zuschauer. Es ist für mich Nonsens.»

Wären Geisterspiele finanziell sinnvoll? Würde es sich für Neuchâtel Xamax lohnen?

«Nein, für Neuchâtel Xamax denke ich nicht. Man muss natürlich schauen, wie man sich mit den TV-Rechteinhabern einigen kann. Aber für uns heisst, die Saison ohne Zuschauer neu zu starten, dass wir wieder die Löhne zahlen und wieder mehr Kosten haben, aber keine Einnahmen. Persönlich bin ich überhaupt nicht für Geisterspiele.»

Wann glauben Sie fällt ein Entscheid?

«Das liegt nicht unser Hand. Die Behörden spielen die entscheidende Rolle. Die grosse Frage für uns wird sein, ob wir die Saison mit Geisterspielen zu Ende bringen oder warten, bis man wieder mit Zuschauern spielen kann.»

Können Sie sich vorstellen, die aktuelle Saison im Spätsommer zu Ende zu spielen?

«Es gibt Verträge mit Spielern und Sponsoren. Es ist extrem komplex. Aber was mich betrifft, würde ich lieber später neu starten, dafür mit Publikum. Ob das möglich ist, ist eine andere Frage.»