Vor 31 Jahren starb die US-Boxlegende Sugar Ray Robinson

Sugar Ray Robinson steht 25 Jahre lang als Profi auf den Brettern, die ihm die Welt bedeuten. Obwohl der Afroamerikaner nie im Schwergewicht boxt, wird er zu den Grössten gezählt.

Am 12. April 1989, kurz vor seinem 68. Geburtstag, starb Sugar Ray Robinson verarmt in Los Angeles.

Wer ist der Grösste? Diese Frage stellt sich in der Box-Szene seit jeher. Von Joe Louis über Muhammad Ali und Rocky Marciano zu Mike Tyson und Floyd Mayweather – um eine längst nicht abschliessende Aufzählung zu wagen – alle hatten sie schlagkräftige Argumente, die sie für sich sprechen liessen. So wenig unter den Boxern Einigkeit herrschte, wer denn nun «The Greatest» gewesen sei, so unterschiedlich waren und sind die Meinungen der Experten. Zu verschieden sind die Epochen und zu unterschiedlich sind die Anforderungen an die Faustkämpfer vom Stroh- bis zum Schwergewicht.

Wer nicht zu den Puristen gehört, für die bei Bestenlisten nur die Schwergewichte (ab 90,7 kg) relevant sind, bei dem fällt in der «Grössten»-Diskussion sehr oft als Erstes der Name Sugar Ray Robinson. Dieser technisch extrem beschlagene Boxer von grosser Eleganz, der als Künstler im Ring betitelt wurde, wurde in den Vierziger- und Fünfzigerjahren gerade auch für die afroamerikanische Jugend zum Idol und Vorbild. Sein pinker Cadillac sorgte überall für riesiges Aufsehen. Zudem gehörte Robinson zur New Yorker Szene, in seinem Restaurant Sugar Ray’s traten Stars wie Frank Sinatra und Nat King Cole auf.

Boxer statt Arzt

Sugar Ray Robinson wurde am 3. Mai 1921 in Ailey im Bundesstaat Georgia als Walker Smith Junior geboren. Bald darauf erfolgte der Umzug in die Slums von Detroit. Der Vater arbeitete in zwei Jobs zugleich, die Mutter verdiente als Schneiderin nur zehn Dollar pro Woche. Als sich die Eltern trennten, ging es für die Kinder zusammen mit der Mutter weiter ins New Yorker Stadtviertel Harlem. Ihr Wunsch war, dass der Sohn Arzt wird. Doch dieser fiel mit 15 von der High School. Er hingegen träumte schon längere Zeit davon, Boxer zu werden.

Damit er nicht die Alterslimite von 18 abwarten musste, bediente er sich einer Mogelei. Er borgte sich die Geburtsurkunde eines Freundes mit dem klangvollen Namen Ray Robinson. Die Bezeichnung «Sugar» erhielt der 1,80 m grosse, langbeinige und eher schmächtige junge Teenager schon bald. Der Legende nach soll ihn eine Zuschauerin wiederholt und laut als so «süss wie Zucker» betitelt haben – was die Presse gerne aufgriff.

Als Amateur ungeschlagen

Robinson blieb in all seinen 85 Kämpfen als Amateur ungeschlagen. 69 dieser Siege gelangen ihm durch K.o., 40 seiner Gegner schickte er gleich in der ersten Runde auf die Bretter. 1940 erfolgte der Übertritt zu den Profis. Während des folgenden Vierteljahrhunderts bestritt Robinson 202 Kämpfe. Manchmal boxte er innerhalb eines Monats gleich viermal. Robinsons Maxime: «Im Boxen ist Rhythmus alles. Jede deiner Bewegungen startet mit deinem Herzen, und das geschieht im Rhythmus – oder du gerätst in Schwierigkeiten.»

So richtig in Schwierigkeiten geriet er als Boxer das erste Mal im Februar 1943. In seinem 41. Fight als Profi setzte es die erste Niederlage ab. Im zweiten Kampf der Rivalen innert vier Monaten gewann der 7 kg schwerere Jake LaMotta nach zehn Runden durch Richterentscheid. Der «Bulle aus der Bronx», bekannt für seine Nehmerqualitäten, und «Sugar Ray» sollten sich im Ring noch vier weitere Male gegenüberstehen, mit dem besseren Ende jeweils für Robinson. «Ich kämpfte so oft gegen Sugar Ray, dass ich fast Diabetes kriegte», sagte später LaMotta, dessen Geschichte später verfilmt wurde. «Raging Bull», wilder Stier, hiess das Meisterwerk von Star-Regisseur Martin Scorsese. Schauspieler Robert De Niro, der sich fast 30 kg anfrass, wurde für die Rolle seines Lebens mit dem Oscar ausgezeichnet.

175 Profisiege, 19 Niederlagen

Am Ende der Karriere lautete Robinsons Kampfrekord auf 175:19 Siege, wobei er 13 dieser Niederlagen in den letzten fünf Jahren seiner Laufbahn hinnehmen musste. Ein einziges Mal nur ging der ehemalige Weltmeister im Welter- und Mittelgewicht vorzeitig als Verlierer aus dem Ring. Das war im Juni 1952 in New York in einem Titelkampf im Halbschwergewicht. Der schnelle und leichtfüssige Robinson lag gegen Titelverteidiger Joey Maxim deutlich vorne, als er bei einer Temperatur von 40 Grad Celsius am Ende der 13. Runde kollabierte und beim Gong für die nächste Runde nicht mehr antreten konnte.

Eine Tragödie ganz anderen Ausmasses hatte sich fünf Jahre zuvor abgespielt. Jimmy Doyle starb an den Folgen seiner Niederlage gegen Robinson. Dieser musste sich später wegen versuchter Tötung vor Gericht verantworten, wurde aber freigesprochen.

Millionen verpulvert

Robinson verdiente als Boxer mehr als vier Millionen Dollar, die heutzutage einer Kaufkraft von mehr als 35 Millionen entsprechen würden. Von seinem Reichtum blieb ihm schon Mitte der Sechzigerjahre nichts mehr, wie er in seiner Autobiographie schrieb. Zu verschwenderisch war er mit dem Geld umgegangen, hatte er eine riesige Entourage zu unterhalten und war er zu gutgläubig gegenüber den falschen Leuten gewesen.

1965, nach dem definitiven Ende der Karriere, zog Robinson mit seiner dritten Ehefrau Millie nach Kalifornien, wo er sich erfolglos als Schauspieler und Entertainer versuchte. Jahre später sah sich der Diabetiker zudem mit der Diagnose Alzheimer konfrontiert. Am Morgen des 12. April 1989, als er einen viel zu hohen Blutdruck aufwies, wurde Robinson in Los Angeles mit der von seiner Frau gerufenen Ambulanz ins Spital eingeliefert. Dort verstarb die 67-jährige Boxlegende auf der Intensivstation innerhalb von wenigen Minuten.