Carlo Janka: In Wengen überdurchschnittlich gut

Carlo Janka gehört seit November 2008, als er in Lake Louise mit der Nummer 65 sensationell Zweiter wurde, zu den fixen Grössen im Schweizer Team.

Körperlich völlig gesund war der mittlerweile 33-jährige Bündner jedoch nur in der Anfangszeit seiner Weltcup-Karriere. Der «Ice Man», wie er damals genannt wurde, fuhr von Erfolg zu Erfolg, wurde Weltmeister und Olympiasieger. Auch den Gesamtweltcup, im alpinen Skirennsport das Grösste, was es zu gewinnen gibt, holte er sich in der Saison 2009/10.

Doch schon ab dem Winter 2010/11 häuften sich bei Janka die gesundheitlichen Probleme. Herz, Rücken, Knie – mindestens einer dieser Begriffe wurde in fast jedem Interview zum Thema. Am Dienstag in Wengen sprach Janka davon, «dass ich den Rücken nach wie vor spüre. Aber auf einem Niveau, wo es noch okay ist.» Bezüglich Knie meldete er: «Soweit alles in Ordnung.» Ende des letzten Jahres sagte er einmal in einem NZZ-Interview, dass «mein Körper nicht dafür geschaffen ist, all das zu ertragen, was es für den Skirennsport braucht». Und doch fand Janka, manchmal auch nach längerer Phase der relativen Erfolgslosigkeit, immer wieder punktuell an die Spitze zurück.

Lichtblick in Lake Louise

So letzten November in Lake Louise. Nach zwei Saisons ohne Top-3-Platzierung stand Janka in den kanadischen Rocky Mountains als Abfahrts-Dritter auf dem Podest – elf Jahre nach der Premiere auf der gleichen Strecke. Und dies, obwohl ihm in der Vorbereitung auf diesen Winter der Rücken wieder einmal Probleme bereitet hatte und er deshalb in der Vorbereitung nur die Hälfte der geplanten Skitage absolvieren konnte.

So überraschend der 3. Platz in Lake Louise auch kam, so wenig zweifelt Janka an seinem Können: «Ich kann Ski fahren.» Mit dem Nachsatz: «Wenn der Rahmen stimmt.» Seit Lake Louise war das wieder weniger der Fall. Die zweitbeste Klassierung in dieser Saison ist der 17. Platz in der Abfahrt in Beaver Creek. Zuletzt, vor dem Jahreswechsel in der zweiten Abfahrt von Bormio, wurde er gar nur 36. Es gebe Pisten und Verhältnisse, da sei es für ihn sehr schwierig, so der Routinier.

«Hier machts einfach nur Spass»

Umso mehr freut sich Janka, der seit vergangenem September Vater von Tochter Ellie ist, auf Wengen. Ans Lauberhorn besitzt er überwiegend positive Erinnerungen. Hier war sein Abschneiden – im Vergleich mit dem jeweiligen Rest der Saison – im Durchschnitt oftmals deutlich besser. Hier passe es einfach, habe es schon immer gepasst, so der elffache Weltcupsieger. Genau erklären kann er sich diese spezielle Beziehung zum Klassiker im Berner Oberland selbst nicht genau. «Die technischen Stellen wie der Hundschopf und das Brüggli kommen meinen Fähigkeiten entgegen. Und in der Heimat vor dieser Kulisse und diesen Fans zu fahren, das macht einfach nur Spass.»

Am Lauberhorn ist Janka der erfolgreichste Schweizer Fahrer der Neuzeit. Dank dem Abfahrtssieg 2010 und zwei Triumphen in der Kombination (2009 und 2015). Dazu gab es fünf weitere Podestplätze. In der Abfahrt erreichte er dreimal die Top 3, zuletzt im Januar 2015 als Dritter hinter Sieger Hannes Reichelt und Teamkollege Beat Feuz. Dieser hat in Wengen je zwei Siege und 2. Plätze vorzuweisen. An Feuz, aber auch an den Österreicher Vincent Kriechmayr denkt Janka wenn er sagt: «Die ganz grossen Favoriten sind andere. Aber ich werde versuchen, eine gute Leistung zu zeigen.» Eine gute Leistung von Janka war in der Vergangenheit oft gleichbedeutend mit einem Topresultat.