Knapp hundert Rechtsextreme trafen sich oberhalb von Galgenen bei «rechter Geselligkeit»

Am vergangenen Wochenende haben sich laut einem Artikel des «Tages Anzeiger» knapp hundert Rechtsextreme in einer Berghütte oberalb von Galgenen bei «rechter Geselligkeit» getroffen. Rechtsextreme aus Deutschland traten als Redner auf. Nicht allen gelang die Reise in die Schweiz reibungslos. Ein Auto mit drei Passagieren fiel dem Grenzwachtkorps am Freitag vor einer Woche auf. Die «Gäste» werden zurück zum Grenzposten Schaffhausen gebracht und in eine Zelle gesteckt.

EIner der Männer heisst laut «Tages Anzeiger» Frank Kraemer. Er iist in der Neonazi-Szene scheinbar bestens bekannt als Gitarrist der Gruppe Stahlgewitter. Ihre Texte sind berüchtigt. Da heisst es zum Beispiel: «Es gibt diese Leute, die in ferne Länder fliegen, um schwitzend in der heissen Mittagssonne rumzuliegen. Die Typen schwarz wie Neger (…), wissen die denn nicht: Gesunde Bräune kommt von innen.» Und zu Schwulen singt die Band: «Für mich bist du ein perverses Schwein (…), pervers und abnormal – wie wärs denn mit kastrieren? Wenn ihr nicht kapiert, dass wir so etwas hassen. Keiner hindert euch, Deutschland zu verlassen.»

Während in Deutschland der Verfassungsschutz gefährliche Hetzer genau unter die Lupe nimmt, hat Kraemer laut dem Tages-Anzeiger-Bericht in Schaffhausen nichts zu befürchten. Die Kontrolleure beschlagnahmen nur Bücher und Neonazi-Pamphlete des Gitarristen, dann aber lassen sie ihn seine Reise fortsetzen. Am Samstag erreicht Kraemer schliesslich die Neonazi-Feier in der Galgener Berghütte. Er hält dort einen Vortrag, wie er später auf Instagram berichtet. Zusammen mit einem zweiten deutschen Neonazi, Nikolai Nerling, der sich «der Volkslehrer» nennt und in seinen Internetvideos gern den Holocaust relativiert.

Die Eidgenössische Zollverwaltung teilte dem «Tages-Anzeiger» mit, sie habe die Weiterfahrt nicht verhindern können, weil gegen Kraemer kein gültiges Einreiseverbot verhängt worden war. Zuständig für Einreise­verbote wäre das Bundesamt für Polizei (Fedpol). Dieses schreibt, dass das Verhältnismässigkeitsprinzip stets gewahrt werden müsse. «Die Interessen der Fernhaltung werden gegenüber den Interessen der Meinungsäusserungsfreiheit jeweils sorgfältig abgewogen.»

Gemäss einem Flyer trat am «völkischen Forum» in Galgenen nur ein Schweizer Referent auf: Es handelt sich laut «Tages Anzeiger» um Adrian Segessenmann von der rechtsextremen Avalon-Gemeinschaft. Er sprach zum Thema «Nationaler Sozialismus im 21. Jahrhundert».

Defensiv äusserte sich laut dem Artikel auch die Schwyzer Kantonspolizei zur Neonazi-Feier in Galgenen: Sie habe in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden Massnahmen getroffen.

Diese Massnahmen bestanden offenbar darin, dass man die knapp hundert Neonazis gewähren liess, ihre Autonummern notierte und sie aus der Ferne beobachtete.Anhand der Autokennzeichen liessen sich die Namen der meisten Teilnehmer eruieren. Eine starke Abordnung kam zum Beispiel von dem in Deutschland verbotenen, in der Schweiz aber legalen Blood-&-Honour-Netzwerk und von Combat 18 – C18, wobei die Zahl 18 für «Adolf Hitler» steht. Vertreten war auch das vor allem im Zürcher Oberland aktive «Stallhaus Schweiz» (SS).

Zu den Organisatoren der Neonazi-Feier in Galgenen gehört scheinbar der im Aargau lebende Marc S., der auch bei den Ausschreitungen zwischen Linksextremisten und Neonazis in Schwyz vom April 2019 zugegen war.