Nationalbank bleibt expansiv und führt einen Leitzins ein

Die Phase der Negativzinsen hält an. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am Donnerstag ihren Kurs ein weiteres Mal bestätigt. Und die SNB ändert nach 20 Jahren ihr geldpolitisches Konzept.

Statt eines Zielbandes für die Geldmarktzinsen setzen die Währungshüter erstmals seit Dezember 1999 wieder auf einen Leitzins. Er ersetzt das bisherige Zielband für den Dreimonats-Libor und beträgt aktuell -0,75 Prozent. Die SNB verlangt also von Banken unverändert 0,75 Prozent Negativzinsen für Sichteinlagen über einem bestimmten Freibetrag.

Der Grund für die Einführung des SNB-Leitzinses sei, dass die Zukunft des Libors nicht gesichert sei. Der Referenzzins wird Ende 2021 abgelöst.

Zudem will die Nationalbank weiterhin bei Bedarf im Devisenmarkt eingreifen, da sie den Franken weiterhin als «hoch bewertet» einstuft, wie die SNB am Donnerstag mitteilte. Dies ist neben den Negativzinsen der zweite Hauptpfeiler ihrer Politik, den Franken zu schwächen.

Wachstum von «rund 1,5 Prozent»

Nur wenig verändert sind die Einschätzungen der Notenbanker zur Konjunktur: Die SNB bleibt bei ihrer Prognose eines Wirtschaftswachstums von «rund 1,5 Prozent» für das laufende Jahr.

Die Konjunkturindikatoren würden auf eine weiterhin günstige Dynamik hindeuten, begründete die SNB ihre Vorhersage. Die weltwirtschaftlichen Risiken seien aber weiterhin «nach unten gerichtet», wurde eingeräumt.

Die kurzfristigen (bedingten) Inflationsprognosen für die Schweiz wurden gegenüber März leicht nach oben angepasst. Für 2019 geht die SNB neu von einer Inflation von +0,6 Prozent aus (alt: +0,3%). Für 2020 werden nun +0,7 Prozent (alt: +0,6%) und für 2021 +1,1 Prozent (alt: +1,2%) prognostiziert.

Wie üblich äussert sich die SNB auch zum Hypothekar- und Immobilienmarkt. Die Ungleichgewichte würden bestehen bleiben, hiess es. Die Nationalbank beobachte die Entwicklungen «weiterhin aufmerksam».

Franken wertet auf

Experten hatten erwartet, dass die SNB an ihrem geldpolitischen Kurs festhält. Der Grund dafür ist bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu suchen. Diese wird frühstens im nächsten Jahr erste Zinserhöhungen vornehmen. Da die SNB aber vermeiden will, dass der Franken sich zum Euro stark aufwertet, wird sie die Zinsen wohl nicht vor der EZB erhöhen.

Am Devisenmarkt wertet der Schweizer Franken dennoch auf zu Euro und US-Dollar. Anders als zuletzt etwa die EZB habe die SNB aber bisher keine weitere Leitzinssenkungen oder andere zusätzliche stimulierenden Massnahmen angedeutet, erklärten Devisenhändler.