Über 160 Tote bei Anschlängen auf Hotels und Kirchen in Sri Lanka

Bei einer Serie von Anschlägen auf Hotels und christliche Kirchen sind am Ostersonntag in Sri Lanka rund 160 Menschen getötet worden, andere Quellen sprachen gar von über 180 Toten. Unter den Opfern waren nach Polizeiangaben auch 35 Ausländer.

Am Vormittag erschütterten zunächst mehrere Explosionen binnen kurzer Zeit drei Luxushotels und drei christliche Kirchen, in denen gerade der Ostergottesdienst gefeiert wurde. Am Nachmittag gingen die Anschläge weiter: Sie trafen zwei Vororte der Hauptstadt Colombo.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach von einem «terroristischen Vorfall» und machte «extremistische Gruppen» für die Bluttaten verantwortlich. Die Verantwortlichen seien identifiziert.

Als Reaktion verhängte die srilankische Polizei eine sofortige Ausgangssperre. Sie solle bis auf weiteres gelten. Die Nutzung von Online-Netzwerken wurde einstweilen untersagt. Regierungschef Ranil Wickremesinghe sprach von «feigen Angriffen».

Die Explosionen entfalteten eine zerstörerische Wucht. Mindestens 64 Menschen wurden laut dem Polizeivertreter am Vormittag bei Detonationen in drei Luxushotels und der historischen St.-Antonius-Kirche in Colombo getötet. Dort wurde gerade die Ostermesse gefeiert.

Mindestens 67 weitere starben in der St.-Sebastians-Kirche des nahe von Colombo gelegenen Orts Negombo. 25 weitere wurden in einer Kirche in Batticaloa im Osten des Landes getötet. Auch hier gingen die Sprengsätze während der Osterfeierlichkeiten hoch.

Am Nachmittag wurden dann mindestens zwei weitere Menschen bei einer siebten Explosion in einem Hotel in einem Vorort Colombos getötet. Eine achte Explosion ereignete sich kurz darauf in einem anderen Vorort: Dort riss ein Selbstmordattentäter nach Polizeiangaben drei Polizisten mit in den Tod.

Wohl keine Schweizer Opfer

Nach unterschiedlichen Angaben wurden zwischen 300 und über 500 Menschen verletzt, einige von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Unter den Todesopfern waren nach Spitalangaben US-Bürger, Briten und Niederländer. Die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa meldete ein portugiesisches Opfer.

Schweizer Bürger sind nach bisherigen Kenntnisstand nicht unter den Opfern, wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf Anfrage mitteilte. Man stehe in Kontakt mit lokalen Behörden und werde laufend informiert. Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel.

An den Tatorten boten sich grausame Bilder. Nach einem Besuch an drei Anschlagsorten erklärte Wirtschaftsminister Harsha de Silva: «Ich habe überall Leichenteile verstreut gesehen.» Es habe «viele Opfer einschliesslich Ausländern» gegeben.

Regierungschef Wickremesinghe appellierte über Twitter an die Bevölkerung, «geeint und stark» zu bleiben. Die Regierung unternehme alles, um die Lage in den Griff zu bekommen. Präsident Maithripala Sirisena rief ebenfalls zur Ruhe auf. Die Regierung berief eine Krisensitzung ein.

Eines der Hotels, das Cinnamon Grand Hotel, liegt in der Nähe der Residenz des Regierungschefs. Dort wurde nach Angaben eines Hotelmitarbeiters ein Mensch bei einer Detonation im Restaurant getötet. Betroffen waren zudem des Shangri La und das Kingsbury Hotel.

«Abscheuliche Taten»

Führende Politiker aus aller Welt verurteilten die Anschläge. Bundespräsident Ueli Maurer schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: «Im Namen des Bundesrats verurteile ich die schweren Angriffe auf religiöse Feiern in Colombo. Den Angehörigen der Opfer und den Behörden Sri Lankas spreche ich mein tief empfundenes Mitgefühl aus.»

Nationalratspräsidentin Marina Carobbio und Ständeratspräsident Jean-René Fournier erfuhren «mit Trauer und Bestürzung» von den Anschlägen in Skri Lanka, wie die Parlamentsdienste via Twitter mitteilten. Carobbio und Fournier verurteilten Intoleranz und religiösen Hass.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm: «Es ist schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren.» Sie fügte hinzu: «Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen.»

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Twitter, es handle sich um «abscheuliche Taten». Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von einem «grausamen und zynischen Verbrechen». Israels Staatspräsident Reuven Rivlin äusserte sich ähnlich. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb: «Das ist ein Angriff auf die gesamte Menschheit.»

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez twitterte: Der Tod «Dutzender Menschen, die Ostern feierten, bringt uns zum Weinen». Die britische Premierministerin Theresa May forderte: «Wir müssen zusammenhalten und sicherstellen, dass niemand seinen Glauben in Furcht praktizieren muss.»

Papst Franziskus gedachte in der Ostermesse der Opfer der Anschläge. Vor zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom sprach er von einem «dramatischen Ereignis» und sprach den Opfern seine «innige Nähe aus».

Reisehinweise aktualisiert

Das EDA aktualisierte nach der Anschlagserie seine Reisehinweise für Sri Lanka: Es bestünden «weiterhin latente politische Spannungen, und es muss im ganzen Land mit Demonstrationen und Ausschreitungen gerechnet werden. Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien und bei Ihrer Reiseleitung über die Entwicklung der Lage. Vermeiden Sie politische Diskussionen, auch auf den sozialen Medien. Meiden Sie Kundgebungen jeder Art und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden.»