Brillenkönig Fielmann übergibt die Macht an seinen Sohn

Generationenwechsel bei der deutschen Optikerkette Fielmann: Der 79-jährige Firmenpatriarch Günther Fielmann zieht sich weiter aus der Geschäftsleitung zurück und übergibt seinem Sohn Marc Fielmann (29) die Verantwortung für die Firmenstrategie.

Er selbst habe dem Verwaltungsrat angeboten, seine Bezüge auf den symbolischen Betrag von einem Euro zu reduzieren, teilte der Firmengründer am Dienstag mit.

Die Übergabe der Macht an seinen Sohn hatte der Senior bereits vor acht Jahren eingeleitet und ihm seither schrittsweise mehr Verantwortung in dem Unternehmen mit europaweit annähernd 20’000 Mitarbeitern übergeben. Ganz gab er die Fäden bisher jedoch nicht aus der Hand.

Verantwortung für Brillenkollektion

Eckpunkte der Strategie werde der Gesamtvorstand im Rahmen der kommenden Generalversammlung vorstellen, teilte Fielmann mit. Marc Fielmann hatte bereits seit April vergangenen Jahres als Co-Firmenchef einen Grossteil des operativen Geschäfts geleitet. Nun kommt nach Unternehmensangaben auch die Verantwortung für die Brillenkollektion hinzu, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Der 1939 in dem 300-Seelen-Dorf Stafstedt bei Rendsburg in Schleswig-Holstein geborene Günther Fielmann eröffnete sein erstes Optikergeschäft 1972 in Cuxhaven. Mit der Idee, günstige Brillen in ganz Deutschland anzubieten, begann sein Aufstieg bis zum Marktführer – deutlich bevor Konkurrenten wie die Apollo-Kette ihm folgten. Dabei legte sich Fielmann mit seinen oft als provokativ empfundenen Werbeaktionen mit der gesamten Brillenzunft an.

Der seit der Firmengründung an der Spitze stehende Patriarch ist dafür bekannt, dass er selten über seine Pläne spricht. Das seit 1994 an der Börse notierte Unternehmen wächst seit Jahren in kleinen Schritten, grosse Sprünge gibt es nicht.

Steigende Verkäufe

Der Brillenverkauf legt kontinuierlich zu, zuletzt auf 8,1 (Vorjahr: 7,99) Millionen Stück – auch weil immer mehr Menschen wegen der Computerarbeit eine Sehhilfe benötigen. Mehr als 24 Millionen Menschen tragen eine Brille von Fielmann. Auch in der Schweiz gehört Fielmann zu den grössten Optikerketten, das Unternehmen liefert sich ein Rennen mit Marktführer Visilab. Fielmann betreibt 43 Filialen in der Schweiz, die 2017 im Schnitt 5,1 Millionen Euro umsetzten.

Der Anteil an teuren Gleitsichtbrillen steigt dabei ständig – und damit auch Umsatz und Gewinn. 2017 machte Fielmann einen Konzernumsatz von rund 1,4 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss lag bei 173 Millionen Euro. Zuletzt betrieb Fielmann europaweit 736 Filialen in 13 Ländern. Knapp 72 Prozent der Firmenanteile kontrolliert die Familie, der Rest ist breit gestreut.