Das Raff-Archiv gedeiht prächtig

Seit diesem Frühjahr ist bekannt, dass der Pianist, Komponist und Musikpädagoge Joachim Raff, 1822 geboren, ein Archiv am Lachner Hafen erhält. Gestern nun luden die Initianten, Res Marty, Präsident der Raff-Gesellschaft und Severin Kolb, Musikwissenschaftler, zu einer Medienorientierung ein. Voller Stolz öffneten sie die Parterreräume des ehemaligen Schulhauses und einstigen Geburtsstätte von Joachim Raff (allerdings war dies damals die «alte Sust», die 1867 mit dem heutigen Gebäude ersetzt wurde). Man sah sogleich, dass hier gearbeitet wurde: Vitrinen, Schränke, Dokumente und Daten, Bücher, Bilder; was sich durch die jahrelange Sammeltätigkeit durch Res Marty finden liess, wird hier sorgfältig platziert.

Dass es nach über 40 Jahren möglich geworden ist, ein Archiv für «einen Musikgelehrten» an Ort und Stelle seines Ursprungs einzurichten, erfüllt Res Marty mit grosser Genugtuung. Dafür hatte er sich lange eingesetzt und dies mit zunehmender Dringlichkeit. Denn vor allem in den vergangenen zehn Jahren ist das Werk und
Leben von Joachim Raff durch intensivierte Nachforschung erschlossen worden. «Unser Ziel ist, alles hier im Archiv zu haben, was über Raff bekannt ist», sagte Marty und weiss, dass ihm die Arbeit noch lange nicht ausgehen wird: «Es ist ein ewiges Werk», fügt er an. Er freut sich, dass verschiedene Medien Interesse bekundet haben und «dass Musikwissenschaftler hier eine international vernetzte Forschungsstätte vorfinden».

Liebesbriefe an seine Verlobte 

In der Tat sind bereits über 70 originale Briefe von Raff oder mit Bezug zu Raff, autographe Albumblätter und Dokumente sowie Manuskripte von Raffs Hand eingeordnet. Archivleiter Severin Kolb wies zudem auf Dutzende Erst- und Frühdrucke hin sowie Stiche von Orten und Personen mit Raff-Bezug. Zudem verfügt das Archiv über eine recht umfangreiche Bibliothek, die das Leben und Wirken Raffs im Kontext jener Zeit erklärt. Ebenfalls erhalten und in Kopien im Archiv sind Briefe aus dem Liebes- und Alltagsleben des jungen Raff, der seiner Verlobten Doris Genast während Jahren fast täglich schrieb. 

Leihgaben Ölbild und Flügel

Zwei Herzstücke werden dem Archiv optische Spannung verleihen: Ein
restauriertes Fortepiano der Wiener Manufaktur Franz Bayer aus dem Jahr 1868, das als Leihgabe eines Tessiner Unternehmers auch musikalisch zu Einsatz kommen soll. Ebenso das offensichtlich einzige Ölbild von Joachim Raff, aus dessen Todesjahr, das Res Marty im Historischen Museum Frankfurt ausfindig machen konnte. 

Ein Leben nachgezeichnet

Welch immense Arbeit im Archiv steckt, kann der Besucher nur erahnen. Zu bewundern ist aus heutiger Sicht auch die Tatsache, wie fast unglaublich viele wahrheitsgetreue Informationen über den Musiker Raff – nebst seiner Musik – bekannt sind und erhalten werden konnten. Dies ist natürlich der Sorgfalt seiner Frau und der einzigen Tochter Helene Raff zu verdanken aber auch den vielen musikalischen Mitstreitern seiner Zeit. 

Res Marty bestätigt damit seinen Namen als Raff-Kenner, wie schon mit der mittlerweile vergriffenen Raff-Biografie 2014. Eine glückliche Hand hat er auch mit dem Archivleiter Severin Kolb, der dem Musiker Raff nicht nur optisch ähnelt, sondern wohl auch in der Geisteshaltung. Nebst dessen 30-Prozent-Pensum für das Archiv schreibt der junge Mann an seiner Doktorarbeit – über Raff.

Und natürlich kostet das neue Archiv auch. Die Finanzierung erfolgt über die Raff-Gesellschaft, die Gemeinde Lachen und die Karl-Lamperti Stiftung. Eine erfreuliche Beigabe, wie Marty betonte.

Angaben über die Eröffnungsfeier vom 7. bis 9. September siehe in der Zeitungsausgabe von gestern Donnerstag oder auf www.joachim-raff.ch.