Spitzenleichtathletik Luzern mit Kambundji und Sprunger

Beim Meeting Spitzenleichtathletik Luzern am Montagabend stehen aus Schweizer Sicht Mujinga Kambundji und Lea Sprunger im Fokus. Von den beiden ist einiges zu erwarten.

Kambundji und Sprunger müssen sich immer wieder mit der gleichen Frage auseinandersetzen. Die Berner Sprinterin mit jener, wann sie über 100 m die magische Marke von elf Sekunden unterbietet und Sprunger damit, wann sie über 400 m Hürden den 27-jährigen Schweizer Rekord von Anita Protti auslöscht. Dass beide dazu fähig sind, ist unbestritten, deshalb würden sie dieses Thema lieber früher als später ad acta legen.

Das Meeting in Luzern bietet insofern eine gute Gelegenheit, als beide zuletzt ihre gute Form unter Beweis stellten und die Wettbedingungen ideal zu sein scheinen. Kambundji verbesserte am Donnerstag an der Athletissima in Lausanne den eigenen Schweizer Rekord über 100 m um vier Hundertstel auf 11,03 Sekunden. Dieser Schritt bedeutet ihr sehr viel, da sie schon im August 2015 erstmals 11,07 Sekunden gelaufen war. Danach dauerte es bis Juli 2017, ehe sie diese Zeit erneut schaffte.

Aufgrund der Stagnation entschied sich Kambundji im vergangenen Herbst, die durchaus erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem deutschen Trainer Valerij Bauer nach vier Jahren zu beenden und neue Wege zu gehen. Sie schloss sich dem Niederländer Henk Kraaijenhof an, merkte aber rasch, dass dieser auch nicht der richtige Coach für sie war und trennte sich nach zwei Monaten wieder von ihm.

In der Hallen-Saison halfen Kambundji ihr früherer Jugendtrainer Jacques Cordey und der in Magglingen in der Trainerausbildung tätige Adrian Rothenbühler. Mittlerweile schreibt US-Coach Rana Reider, der unter anderen die niederländische Topsprinterin Dafne Schippers betreut, ihre Trainingspläne. Diese setzt sie immer wieder auch alleine um. Die beiden haben aber täglich per Telefon oder SMS Kontakt. Im April war sie drei Wochen bei ihm in Florida gewesen.

Dass Kambundji auf ihr Gefühl gehört hat, zahlt sich aus. Im März gewann sie an der Hallen-WM in Birmingham über 60 m sensationell Bronze, und nun ging es auch über 100 m einen Schritt vorwärts. «Dass ich diese Zeit mitten in der Saison und in einem noch nicht optimalen Rennen geschafft habe, ist sehr, sehr positiv für mich», sagte Kambundji, die in Luzern auch über 200 m läuft. «Es war ein guter Anfang. Ich bin sehr zuversichtlich für den Montag.» Eine ihrer Gegnerinnen über 100 m dürfte die zweifache Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser-Pryce aus Jamaika sein, die im vergangenen August erstmals Mutter wurde.

Sprunger gegen Olympiasiegerin

Auch von Lea Sprunger ist einiges zu erwarten. In Lausanne stellte die Waadtländerin mit 54,79 Sekunden eine europäische Saisonbestleistung über 400 m Hürden auf. Vier Tage zuvor hatte sie in La Chaux-de-Fonds ihren Schweizer Rekord über 400 m flach um 57 Hundertstel auf 50,52 Sekunden gesenkt, womit sie auch in dieser Disziplin die Nummer 1 in Europa in diesem Jahr ist.

Mit dem Auftritt an der Athletissima war sie dennoch nicht ganz zufrieden. «Es war überhaupt kein perfektes Rennen. In der zweiten Kurve lief ich zu passiv», so Sprunger. Der Rhythmus sei aber bis am Schluss gut gewesen, weshalb sie darauf aufbauen könne. Das Selbstvertrauen stimmt auf jeden Fall – wie auch das Feld in Luzern. Unter anderen ist die amerikanische Olympiasiegerin Dalilah Muhammad am Start. Anita Prottis Schweizer Rekord von 54,25 Sekunden ist definitiv in Gefahr.

Die Organisatoren von Spitzenleichtathletik haben trotz eines bescheidenen Budgets von 750’000 Franken nicht nur über 100 und 400 m Hürden bei den Frauen ganze Arbeit geleistet. Auch sonst dürfen sich die erwarteten 6000 bis 7000 Zuschauer auf attraktive Wettkämpfe mit Topathletinnen und -athleten freuen. Neben Muhammad figurieren mit der Amerikanerin Brianna McNeil (zuvor Rollins/100 m Hürden), dem Deutschen Thomas Röhler (Speer) und dem Jamaikaner Yohan Blake (Gold über 4×100 m) drei weitere Olympiasieger von 2016 auf der Startliste. Im Stabhochsprung ist Jennifer Suhr, die Olympiasiegerin von 2012, dabei. Die Amerikanerin ist mit 4,93 m die Jahresweltbeste.